9 - Warp Records - Screen Mitte
Warp Records war für meine musikalische Ausrichtung wahrscheinlich das wichtigste und wegweisendste Label. Es war das erste, mit dem ich mich so intensiv beschäftigt und dessen Releases ich verfolgt habe. Später fand ich es besonders spannend, das sie auch Bands gesigned haben, die nicht aus der elektronischen Musik kamen. Das passte zu mir, weil ich auch fotografisch immer zwischen musikalischen Welten unterwegs war.
Besonders wichtig sind für mich meine beiden Sessions mit Aphex Twin in 1994 und 1996. Damals schon wichtig, heute eine Legende. Bei der ersten Session waren wir allein an der Alster unterwegs. Er war sehr verschlossen und wirkte etwas mürrisch, sehr cool. 1996 war er im Umgang mit der Presse schon viel erfahrener und offener. Wir haben hauptsächlich auf dem Spielbudenplatz auf St. Pauli/Hamburg in fotografiert, uns wahnsinnig gut verstanden und viel Spaß gehabt.
Autechre verehre ich ebenfalls sehr. Bei unserer Session Mitte der Neunziger haben sie mir etwas Wichtiges für meine Fotografie mitgegeben. Als ich sie dirigieren wollte, kam ganz klar: „No, we're not gonna do it.“ Seitdem habe ich viel bewusster darauf geachtet, ob eine Idee oder eine Anweisung wirklich zu meinem Gegenüber passt. Das war eine wichtige Erfahrung für meine Zusammenarbeit mit Künstler*innen.
LFO habe ich 2003 beim Tribal Gathering in Manchester fotografiert. LFO noch einmal live zu erleben, war für mich besonders, weil der gleichnamige Track so eng mit meiner Zeit in England verbunden ist. Ich habe damals beim Fotografen Peter J. Walsh in Manchester assistiert und den Track mit ihm zum ersten Mal in deren Studio in Leeds gehört. Das war eine musikalische Initialzündung für mich.
In dieser Zeit waren wir auch bei Warp Records in Sheffield, wo das Label damals sein Office hatte. All diese Begegnungen und Erinnerungen haben Warp für mich zu einem Label gemacht, das mich bis heute begleitet.